LILLET BLANC ET LILLET ROSÉ (2023) und SIRÈNES (2023)
Das Hotel Mariandl lädt einmal im Jahr zur Ausstellung ZIMMER FREI (inter)nationale Künstler:innen ein, die in München arbeiten. Jede:r Künstler:in bekommt einen Raum, der bespielt wird.
LILLET BLANC ET LILLET ROSÉ (2023)
LILLET BLANC ET LILLET ROSÉ ist eine von zwei ortsspezifischen Arbeiten, die Jakob Weiß in seinem Hotelzimmer Nr. 11 realisiert hat.
Die Firma Lillet Frères wurde 1872 im französischen Podensac (Gironde) gegründet. Der Lillet entstand 1887. Die Idee, Bordeaux Weine mit exotischen Früchten zu komibinieren, stammte von Pater Kermann, wo er Liköre und Stärkungsmittel hauptsächlich aus Cinarinde herstellte. 1950 führte die Gräfin von Windsor das von ihr besonders geschätzte Getränk in der Pariser und Londoner High Society ein. Sie bestellte den Aperitif systematisch in allen Hotels, in denen sie abstieg, und soll auch immer eine Flasche Lillet im Gepäck mitgeführt haben. In den 1950ern eroberte der Lillet den US-Markt. Wer in New York im Trend liegen wollte, trank Lillet.
Dieser Text steht auf der ersten Seite der Getränkekarte des
Hotel-Restaurants. Dem Lillet wird als einziges Getränk eine
Seite gewidmet und nimmt den Platz eines Hausgetränkes ein, der
den Geist des Hotels verkörpert.
Dieses Commitment des Hotels gegenüber dem französischen
Aperitif sah der frankophile Künstler als Einladung, woraufhin
er den Lillet als Ausgangspunkt seiner Arbeit festlegte, das
Getränk einkochte, um eine zähflüssige,
druckfähige Masse zu erlangen und in das Format der
Getränkekarte des Hotels mit einem Sieb auf ein Bettlaken
druckte.
SIRÈNES (2023)
SIRÈNES ist eine Soundarbeit, die ebenfalls im Hotelzimmer
Nr. 11 ausgestellt wurde und sehr subtil auf ihre Umgebung verweist.
Das Hotel Mariandl ist nämlich zwischen drei
Krankenhäusern positioniert, die regelmäßig von
Rettungswägen angefahren werden. Die Sirenen dieser
Gefährte gehören zur alltäglichen Klangumgebung des
Hotels und bilden daher den Ausgangspunkt der Arbeit. Die Heulsirene
springt für gewöhnlich zwischen zwei Tönen hin- und
her. Weiß hat die Töne aufgenommen und als Instrument
verwendet. Teils wurde die Sirene nachgespielt, teils soweit
verändert, dass eine neue Komposition entstand. Die
Lautsprecher waren am Fenster angebracht und haben somit den
Eindruck vermittelt, dass der Sound von draußen kam. Für
Betrachter:innen war es teilweise nicht nachvollziehbar, ob der
Klang der Soundarbeit oder einem Rettungswagen entstammte.
Der französische Titel soll auf den Erfinder des Gerätes
verweisen, der Franzose Charles Cagniard de la Tour hat die Sirene
nach dem Vorbild der gefährlich singenden Sirenen in der
griechischen Mythologie benannt.